Landschaftsforum 2016

Landschaftsforum 2016

22.06.2016

Staatssekretär Horst Becker eröffnete erstes Landschaftsforum am 17.06.2016 auf Haus Vogelsang in Datteln.

Der Verzehr von Lebensräumen und der Schwund der Artenvielfalt in Deutschland sind besorgniserregend. Auch wenn Biber, Wolf und Storch wieder heimisch geworden sind, so nimmt die Artenvielfalt bei Insekten und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten stetig und dramatisch ab.

Als Fachorganisation und Veranstalter des Landschaftsforums 2016 nahm Frau Büsing, Geschäftsführerin der Landschaftsagentur Plus die Gäste gleich zu Beginn in die Pflicht und forderte zur intensiven Diskussion auf: Was können die Verantwortlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten besser machen; wie kann das wichtige Instrument der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung möglichst wirkungsvoll und effizient gestaltet werden, wie kann die Verlässlichkeit in Planungsprozessen für Bauherren und Projektträger verbessert werden?

Das Grußwort übernahm Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, der mit einleitenden Worten den Dialog und den Austausch über dieses wichtige Thema begrüßt und die Wichtigkeit des Mit- und Nebeneinander von landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz mit Blick auf die Ressource Fläche betonte.

Rund 150 Teilnehmer u.a. Projektträger und Bauherren aus verschiedenen Branchen, Landwirte, Vertreter der höheren, mittleren und unteren Verwaltungsebenen, Naturschutzverbände, Planungsbüros, Kommunen sowie einige Projektpartner aus dem Saarland und Luxemburg beteiligten sich an dem Forum.

Die vielen Praxisbeispiele machten deutlich, dass ein übergeordnetes, grenzübergreifendes Handeln in Verbindung mit einem guten Management die beste Basis für wirksame Kompensationsmaßnahmen sind. So plädierte Nicole Büsing für großflächig geplante und zusammengefasste Ausgleichsmaßnahmen, die das grüne Rückgrat in NRW stabilisieren und als wichtiger Baustein die Zielsetzungen im Natur- und Artenschutz wirksam stützen. Allein die Landschaftsagentur Plus setzt im Jahr rund 150 Hektar Fläche für Kompensationsmaßnahmen um. Das Abarbeiten von zahlreichen Einzelmaßnahmen im räumlichen Zusammenhang mit dem Eingriffsort sei aufgrund des beschränkten Angebots potentieller Ausgleichsflächen, insbesondere in den Ballungsräumen, nicht zielführend. Kompensationsmaßnahmen müssten übergeordnet geplant und konzipiert werden. Erst dadurch entsteht ein Mehrwert für Mensch und Natur, schafft die nötige Planungssicherheit für Baumaßnahmen und reduziert das Konfliktpotential mit anderen Flächennutzern.  Als erster Kreis im Ruhrgebiet, hat der Kreis Recklinghausen Vorrangkorridore für Kompensationsmaßnahmen definiert. Dies bietet eine gute Orientierung für die Maßnahmenumsetzung und für die Etablierung von Ökokonten.

In einer Podiumsrunde mit den Bürgermeistern André Dora, Stadt Datteln, Wilhelm Sendermann, Stadt Olfen und dem Technischen Beigeordneten der Stadt Haltern am See, Wolfgang Kiski, sprachen sich die Beteiligten für grenzübergreifende Ausgleichssysteme aus. Landschaft kennt keine formalen Grenzen. Das Projekt 2Stromland ist ein gutes Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines regional bedeutenden Landschaftsraumes. Hier werden Kompensationsmaßnahmen so realisiert, dass nicht nur der formale Ausgleich abgearbeitet wird, sondern darüber hinaus wichtige Synergieeffekte genutzt und gezielt kombiniert werden, u.a. Hochwasserschutz, Naherholung, Trinkwasserschutz etc.

Anne Schöps vom Bundesverband der Flächenagenturen in Deutschland e.V. forderte im Rahmen des Landschaftsforums 2016 standardisierte Qualitätsanforderungen für Träger von Kompensationsmaßnahmen. Dies soll sowohl für Anbieter von Flächenpools, als auch für die langfristige Sicherung der Ausgleichsmaßnahme gelten.

Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender NABU NRW, verwies auf die gute Zusammenarbeit von Wirtschaft und Umweltschutz in NRW. Er unterstrich die Forderungen seiner Vorredner, das System der Eingriffsregelungen und Kompensationsmaßnahmen beizubehalten aber dabei großräumig und grenzüberschreitend zu planen.

Martin Strauß, Geschäftsführer der Landschaftsagentur Plus, bewertet das erstmalig in diesem Jahr durchgeführte Landschaftsforum außerordentlich positiv. „Wir haben eine intensive Fachdiskussion erlebt, die nochmals verdeutlicht, wie wichtig das Thema für den Natur- und Artenschutz und für die Planungssicherheit von Baumaßnahmen ist“, sagte Strauß.