Lippeverband und Umweltminesterium zu Gast bei der Landschaftsagentur Plus

Lippeverband und Umweltminesterium zu Gast bei der Landschaftsagentur Plus

19.04.2017

Der Lippeverband und das Land vereinbaren Renaturierung der Lippe für bis zu 300 Mio. Euro.
Die Emscher wird aus ihrem Betonkorsett geholt – ein Riesenprojekt. Der zweite Fluss unseres „Zwei-Strom-Landes“ Emscher-Lippe wird ebenso „befreit“: Die Lippe soll wilder und natürlicher werden. Das wollen das Land, und der Lippeverband gemeinsam erreichen. Der längste NRW-Fluss soll wieder so fließen wie in vorindustrieller Zeit. Das kostet viel Landesgeld (geschätzte 300 Mio. Euro) und vor allem viel Fläche.

Das Land NRW hat mit dem Lippeverband für die Renaturierung nunmehr eine Rahmenvereinbarung abgeschlossen. Damit wird der Lippeverband in die Lage versetzt, nicht nur für die Gewässerunterhaltung sondern auch für den naturnahen Ausbau zu sorgen. Weg von Einzelprojekten wie der Deichbau zwischen Haltern und Marl hin zu einem kontinuierlichen Umbau. Das wünschen sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) und der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, Dr. Uli Paetzel, die die Rahmenvereinbarung im Haus Vogelsang in Datteln gemeinsam unterzeichneten. „Die Lippe ist noch nicht im wünschenswerten Zustand“, sagt Remmel. Sie sollte „wilder, auenhaltiger und mäandrierender“ werden, so der Wunsch des Umweltministers. Und das lässt sich das Land „etwas“ kosten: Die Ausgaben für die Renaturierungsmaßnahmen werden sich auf bis zu 300 Mio. Euro belaufen, so schätzt das Ministerium – größte NRW-Gewässerprojekt. Die Dauer wurde aber nicht genauer beziffert.

Der Großteil des Geldes, so Remmel, stamme aus dem Wasserentnahmeentgelt, das das Land von Wassernutzern erhebt. Das Entgelt beträgt 5 Cent pro Kubikmeter Wasser. Dr. Uli Paetzel: „Dort, wo die Lippe begradigt ist, wollen wir sie künftig wieder freier fließen lassen.“ Die Ufer sollen soweit entfesselt werden, dass Auen wieder unter Wasser stehen dürfen. Die große Herausforderung werde sein, so Dr. Uli Paetzel, die Grundstücke für diese Auen zu bekommen. Zumeist muss der Lippeverband von Landwirten oder anderen Grundstücksbesitzern an der Lippe diese Flächen aufkaufen – ein offenbar zähes Geschäft.

Auf 41 Kilometern der Lippe hat der Lippeverband bereits sein Auen-Programm umgesetzt. Bestes Beispiel ist dafür die neugestaltete Lippemündung in den Rhein bei Wesel und das laufende Deichbauprojekt zwischen Marl und Lippramsdorf, wo Deiche verschoben und neue Lippe-Auen als Form des Hochwasserschutzes angelegt werden. Auch die beiden Bauabschnitte am Haus Vogelsang in Datteln dienen diesem Zweck. Steinschüttungen am Fluss werden entfernt, Ufer entfesselt. Die Landschaftsagentur Plus GmbH stellt dafür 100 Hektar Fläche zur Verfügung. Die Flächen stehen danach den Städten Olfen, Datteln und Haltern als Möglichkeifen für Kompensationsmaßnahmen bei Bauprojekten zur Verfügung. Die nächsten Projekte des Lippeverbandes sind schon klar: die Umgestaltung einer elf Kilometer langen Strecke zwischen Hamm-Heessen und -Uentrop.

Quelle: Dattelner Morgenpost vom 18.04.2017
Foto: Rupert Oberhäuser/Lippeverband