Größte Kröten-Umsiedlungsaktion im Ruhrgebiet

Datteln-Ahsen, 18.05.2020

Derzeit laufen bei uns die Vorbereitungen für die Umsiedlung einer großen Kreuzkrötenpopulation in Essen. Aufgrund von Sanierungsmaßnahmen auf einem ehemaligen Zechengelände und in Ermangelung zumutbarer Ersatzlebensräume im Umfeld muss ein Teil der Kreuzkrötenpopulation umziehen.

Die Kreuzkröte ist eine typische Pionierart, die mit ihrer ursprünglichen Verbreitung in den naturnahen Flussauen sehr gut an die dortige Landschaftsdynamik angepasst ist. Heute tummelt sich die Art häufig auf brachgefallenen Industrie- und Bergbaustandorten, da diese insbesondere in den ersten Jahren nach dem Brachfallen geeignete Bedingungen bieten und als temporär verfügbares Sekundärbiotop dienen.

Bei den Umsiedlungsüberlegungen war in erster Linie wichtig, dass den Kröten einen nachhaltig gesicherter und langfristig geeigneten Ziellebensraum zur Verfügung gestellt wird. Unser Ökokonto in der Lippeaue bringt mit den dynamischen Auenbereichen und der wiederhergestellten Flussmorphologie mit naturnahen Überflutungs- und Geschiebedynamiken alle Voraussetzungen mit,um der Art einen dauerhaft geeigneten Primärlebensraum zur Verfügung zu stellen.

Vorab mussten die Kröten mit Unterstützung von Amphibienexperten auf Pilzbefall durch Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans) und Bd (Batrachochytrium dendrobatidis) getestet werden umeine mögliche Verschleppung in den Ziellebensraum auszuschließen. Laboranalysen führt das Hessische Landeslabor in Gießen durch.

Bsal und Bd breiten sich auch in NRW aus und sind ein ernstzunehmendes Problem für unsere Amphibien:

Wie es die lateinische Bezeichnung des Bsal vermuten lässt, befällt dieser Hautpilz vornehmlich den Feuersalamander (Salamandra salamandra). Durch Einschleppung nach Europa und der erst kurzzeitigen Verbreitung haben die europäischen Schwanzlurche keine Abwehrmechanismen gegen Bsal ausgebildet. Die Folge ist, dass der Befall in der Regel zum Tod betroffener Tiere führt. Deswegen wird der Pilz oft auch als Salamanderfresser oder Salamanderpest bezeichnet.

Beim ursprünglich aus Afrika stammenden Chytridpilz Bd handelt es sich hingegen um einen Hautpilz,der alle Amphibien (Froschlurche, Salamander und Molche) befallen kann. Alle von uns getesteten Kreuzkröten sind nicht von einem Pilzbefall betroffen! Somit warten wir jetzt nur noch gemeinsam mit den Kröten auf die abschließende behördliche Freigabe für den Umzug.