Wie ein Kunstwerk von Christo und Jeanne-Claude wirkt die Fläche in Raesfeld auf den ersten Blick – besonders aus der Luft. Und tatsächlich wurden Tausende junge Bäume mit Baumwollstoff umhüllt - geliefert vom Textilhersteller SETEX, der bereits das Material für die Verhüllung des Reichstags lieferte. Hinter der spektakulären Optik steckt jedoch kein Kunstprojekt, sondern praktischer Natur- und Forstschutz: Landschaftsagentur Plus entwickelt hier eine Erstaufforstungsfläche, die perspektivisch als Baustein für Kompensation genutzt werden kann und zeigt, wie Flächenpool, Ökokonto, Ökopunkte und Eingriffsregelung in der Praxis zusammenkommen.
In Raesfeld hat Landschaftsagentur Plus auf einer Erstaufforstungsfläche in der Größe von rund siebeneinhalb Fußballfeldern mehr als 18.000 standortgerechte Bäume und Sträucher gepflanzt. Rund 4.000 junge Pflanzen erhalten nun einzelne Schutzhüllen, weil ein klassischer Wildschutzzaun in diesem Bereich nicht möglich ist: Die Fläche liegt nahe der Issel in einem Überschwemmungsgebiet. Bei Hochwasser könnte sich Treibgut in einem Zaun verfangen und den Wasserabfluss behindern.
Ein ungewöhnlicher Anblick mit klarem Zweck
Was aus der Luft spektakulär aussieht, erfüllt vor Ort eine sehr praktische Aufgabe. Die Hüllen schützen junge Bäume in der kritischen Anwuchsphase vor Wildverbiss und sogenannten Fegeschäden. Gerade Rehe mögen Knospen und junge Triebe und können die Bäume so beschädigen. Rehböcke reiben oft ihr Geweih an Bäumen und können die Rinde junger Pflanzen durch das sogenannte Fegen verletzen. Für eine junge Erstaufforstung kann das erhebliche Folgen haben: Pflanzen wachsen schlechter an oder fallen ganz aus.
Landschaftsagentur Plus setzt deshalb dort, wo ein Zaun nicht zulässig oder fachlich nicht sinnvoll ist, auf Einzelschutz mit Wuchshüllen aus Baumwolle von SETEX. So soll jeder einzelne Baum in seiner Entwicklung unterstützt werden, damit aus der Pflanzung langfristig ein stabiler, standortgerechter Laubmischwald entstehen kann.
Was das Projekt mit Kompensation, Ökokonto und Ökopunkten zu tun hat
Die Fläche in Raesfeld ist mehr als ein auffälliges Landschaftsbild. Sie gehört zum Flächenpool von Landschaftsagentur Plus und ist als Vorratsfläche für künftige Eingriffsvorhaben vorgesehen. Damit kann sie – nach entsprechender fachlicher Bewertung und Anerkennung durch die zuständige Umweltbehörde – perspektivisch dazu beitragen, unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft zu kompensieren.
Im Rahmen der Eingriffsregelung gilt vereinfacht: Wer erheblich in Natur und Landschaft eingreift, muss Beeinträchtigungen vermeiden, minimieren und verbleibende Auswirkungen durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen kompensieren. Ökokonten und Ökopunkte helfen dabei, geeignete Aufwertungsmaßnahmen fachlich zu bewerten und später auf Kompensationsbedarfe anzurechnen.
Für Projektträger ist das relevant, wenn sie für Bau-, Infrastruktur-, Energie-, Gewerbe- oder andere Vorhaben Kompensationslösungen benötigen. Landschaftsagentur Plus entwickelt und betreut solche Flächen langfristig. Von der Planung über die Umsetzung bis zur Pflege, Dokumentation und weiteren Entwicklung.
Erstaufforstung als langfristige Flächenentwicklung
Eine Kompensationsmaßnahme endet nicht mit der Pflanzung. Entscheidend ist, wie sich die Fläche in den kommenden Jahren entwickelt. Wachsen die Pflanzen an? Entsteht ein stabiler Bestand? Sind Pflege, Schutz und Monitoring ausreichend? Muss nachgesteuert werden?
Genau hier liegt eine zentrale Stärke von Landschaftsagentur Plus: Die Agentur entwickelt nicht nur Konzepte, sondern begleitet Flächen über lange Zeiträume. Dazu gehören geeignete Standortwahl, fachliche Planung, Umsetzung, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sowie die Dokumentation der ökologischen Entwicklung. Landschaftsagentur Plus arbeitet dabei an der Schnittstelle von Kompensationsmanagement, Flächenmanagement, Naturschutz, Artenschutz und Biodiversität.
Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: Kompensation wird nicht als abstrakte Pflicht verstanden, sondern als konkrete Entwicklung realer Flächen.
Textile Wuchshüllen im Praxistest
Für den Einzelschutz der jungen Bäume testet Landschaftsagentur Plus gemeinsam mit SETEX eine textile Wuchshülle aus Baumwollgewebe. Das Material ist licht- und luftdurchlässig und wird im Gelände an Holzleisten befestigt. Der Praxistest soll zeigen, wie sich die Hüllen unter realen Bedingungen im Wald verhalten. Dabei geht es unter anderem um Schutzwirkung, Handhabung, Wirtschaftlichkeit, Haltbarkeit und die Frage, wie sich das Material nach der Schutzphase entwickelt. Denn alle waldfremden Stoffe müssen anschließend wieder aus dem Wald entfernt werden.
SETEX ist damit ein wichtiger Projektpartner für diesen konkreten Praxistest. Im Mittelpunkt steht jedoch die fachliche Aufgabe von Landschaftsagentur Plus: junge Bäume so zu schützen, dass sich die Erstaufforstung langfristig erfolgreich entwickeln kann.
Was Projektträger daraus mitnehmen können
Das Projekt in Raesfeld zeigt anschaulich, worauf es bei Kompensation ankommt: geeignete Flächen, fachliche Planung, praktische Umsetzung und langfristige Verantwortung. Für Vorhabenträger, die Ökopunkte, ein Ökokonto oder eine Kompensationslösung benötigen, ist genau diese Verbindung entscheidend.
Landschaftsagentur Plus hält als Flächenagentur mit Standorten in NRW, Hessen und Saarland Flächenpools und Ökokonten in diesen Bundesländern sowie in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern bereit, plant und setzt Kompensationsmaßnahmen um und begleitet deren langfristige Entwicklung. Projektträger können so auf vorbereitete oder bereits entwickelte Maßnahmen zurückgreifen und erhalten fachlich fundierte Lösungen für ihre Kompensationsbedarfe.
Häufige Fragen zu Ökopunkten, Ökokonto und Kompensation
Für Projektträger sind Begriffe wie Ökopunkte, Ökokonto und Eingriffsregelung oft entscheidend. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Was sind Ökopunkte?
Ökopunkte sind Bewertungseinheiten für ökologische Aufwertungsmaßnahmen. Sie machen den Kompensationsbedarf eines Eingriffs und die ökologische Aufwertung einer Maßnahme vergleichbar.
Was ist ein Ökokonto?
Ein Ökokonto ist ein Instrument, mit dem geeignete Naturschutz- und Aufwertungsmaßnahmen als Guthaben geführt werden können. Nach fachlicher Bewertung und Anerkennung können die daraus entstehenden Ökopunkte später für geeignete Kompensationsbedarfe genutzt werden.
Was bedeutet Kompensation?
Kompensation bedeutet, dass erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft durch geeignete Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen ausgeglichen werden. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Eingriffsregelung.
Was ist die Eingriffsregelung?
Die Eingriffsregelung besagt vereinfacht: Wer erheblich in Natur und Landschaft eingreift, muss Beeinträchtigungen vermeiden, minimieren und verbleibende Auswirkungen kompensieren.
Welche Rolle spielt Landschaftsagentur Plus?
Landschaftsagentur Plus entwickelt und betreut Flächenpools, Ökokonten und Kompensationsmaßnahmen und bietet Ökopunkte an. Projektträger können so auf fachlich vorbereitete Flächen und langfristig begleitete Maßnahmen zurückgreifen.
Benötigen Sie Ökopunkte oder eine Kompensationslösung?
Landschaftsagentur Plus unterstützt öffentliche, gewerbliche und private Projektträger bei Kompensation, Ökokonto, Ökopunkten, Flächenpool und langfristiger Flächenentwicklung.
Sprechen Sie uns an, wenn Sie für ein Vorhaben Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen im Rahmen der Eingriffsregelung benötigen.


