Am Spieser Mühlenbach in Spiesen-Elversberg wurde ein über Jahrzehnte technisch veränderter Bachabschnitt naturnäher entwickelt. Der Bach erhielt einen geschwungeneren Verlauf, flachere Ufer und zusätzliche Flächen für die weitere Entwicklung des Gewässerraums. Das Projekt verbindet Gewässerrenaturierung, Klimafolgenanpassung, kommunalen Nutzen und langfristig gesicherte Kompensation.  Am 23. Juli 2026 wurde das Projekt vom Saarland, Stadt Spiesen-Elversberg und Landschaftsagentur Plus vorgestellt. 

 

Was wurde am Spieser Mühlenbach verändert?

Landschaftsagentur Plus hat den zuvor begradigten und abschnittsweise tief eingeschnittenen Bachlauf fachlich geplant und neu modelliert. Dabei wurde nicht nur das sichtbare Bachbett betrachtet. Auch Ufer, Boden, Vegetation und angrenzende Entwicklungsflächen gehören zum Gewässerraum.

Zu den umgesetzten Maßnahmen zählen:

  • ein geschwungenerer Verlauf des Bachbetts,
  • flachere und unterschiedlich strukturierte Ufer,
  • zusätzliche Entwicklungs- und Überflutungsflächen,
  • eine stärkere Verbindung zwischen Bach, Ufer und angrenzender Landschaft,
  • Steine und weitere Strukturelemente,
  • standortgerechte Gehölzpflanzungen,
  • ergänzende Nisthilfen im Projektumfeld.

Die baulichen Arbeiten sind abgeschlossen. Die ökologische Entwicklung geht jedoch weiter: Vegetation, Gewässerbett, Ufer und Auenbereiche verändern sich über einen längeren Zeitraum.

Projektsteckbrief

Projekt auf einen Blick

Ort: Spiesen-Elversberg, Saarland
Gewässer: Spieser Mühlenbach
Projektart: Gewässerrenaturierung und ökologische Aufwertung
Projektstatus: Bauliche Umsetzung abgeschlossen
Fachliche Planung und Begleitung: Landschaftsagentur Plus
Einordnung: Bestandteil eines Ökokontos
Weitere Entwicklung: Pflege, Dokumentation und fachliche Begleitung 

Warum wurde der Spieser Mühlenbach renaturiert?

Viele kleinere Fließgewässer wurden in der Vergangenheit begradigt, eingeengt oder technisch ausgebaut. Auch der Spieser Mühlenbach hatte dadurch einen Teil seiner natürlichen Struktur verloren. In einzelnen Bereichen hatte sich das Gewässer tief in das Gelände eingeschnitten. Die Verbindung zwischen Bachbett, Ufer und angrenzenden Flächen war dadurch eingeschränkt.

Die Renaturierung gibt dem Bach wieder mehr Raum für eine eigenständigere Entwicklung. Flachere Ufer, Gewässerschlingen und zusätzliche Entwicklungsflächen schaffen unterschiedliche Standortbedingungen. Davon können sich in den kommenden Jahren vielfältigere Strukturen für Pflanzen und Tiere entwickeln.

Zugleich kann sich Wasser bei intensiven Niederschlägen auf zusätzlichen Flächen ausbreiten. Die Maßnahme schafft damit bessere Voraussetzungen für das Zusammenspiel von Gewässer, Ufer und angrenzender Landschaft.

Ein Projekt für Gemeinde, Natur und Erholungsraum

Die Renaturierung ist nicht nur eine ökologische Maßnahme. Sie ist zugleich Teil der langfristigen Entwicklung des Spieser Mühlentals. Der Landschaftsraum soll als naturnäherer Gewässerraum und als Erholungsgebiet für die Menschen vor Ort weiterentwickelt werden.

„Mit der Renaturierung des Spieser Mühlenbachs investieren wir in die Zukunft unserer Gemeinde. Der Bach bekommt wieder mehr Platz, die Natur wird aufgewertet und zugleich gewinnt das Spieser Mühlental als Erholungsraum für unsere Bürgerinnen und Bürger. Das Projekt zeigt, wie ökologische Entwicklung, Klimafolgenanpassung und kommunaler Nutzen sinnvoll zusammenkommen können.“

Bernd Huf, Bürgermeister der Gemeinde Spiesen-Elversberg

Gewässerentwicklung im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Das Projekt steht im fachlichen Zusammenhang mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Sie verfolgt das Ziel, den Zustand von Oberflächengewässern und Grundwasser zu verbessern. Gewässerrenaturierungen können dazu beitragen, technisch veränderte Bach- und Flussabschnitte wieder vielfältiger zu entwickeln und bessere Voraussetzungen für gewässertypische Lebensräume zu schaffen.

Am Spieser Mühlenbach wird dieses übergeordnete Ziel auf einer konkreten Fläche umgesetzt: Der Bach erhält mehr Raum, die Struktur des Gewässerraums wird vielfältiger und die angrenzenden Flächen werden stärker einbezogen.

„Am Spieser Mühlenbach wird ganz konkret sichtbar, wie die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie vor Ort umgesetzt werden. Der Bach bekommt wieder mehr Raum, seine Struktur wird vielfältiger und es entstehen bessere Bedingungen für gewässertypische Lebensräume. Gleichzeitig unterstützt die Renaturierung den natürlichen Wasserhaushalt und leistet einen Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Dass Gemeinde, Landschaftsagentur Plus, Flächeneigentümer und weitere Partner hier gemeinsam gehandelt haben, zeigt, wie Gewässerentwicklung im Saarland praktisch gelingen kann.“

Sebastian Thul, Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium

Warum wird ein Bach renaturiert, der zeitweise trockenfällt?

Zum Zeitpunkt des Abschlusstermins führte der Spieser Mühlenbach in dem gezeigten Abschnitt wenig beziehungsweise kein sichtbares Wasser. Kleine Gewässer können abhängig von Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasser, Quellen, Zuflüssen und Einzugsgebiet zeitweise trockenfallen.

Eine Renaturierung erzeugt kein zusätzliches Wasser und garantiert keine ganzjährige Wasserführung. Sie verbessert jedoch die räumlichen und strukturellen Voraussetzungen dafür, dass Bachbett, Ufer, Aue und natürliche Entwicklungsprozesse wieder stärker zusammenwirken können.

Der ökologische Wert eines Gewässerraums hängt außerdem nicht allein davon ab, ob dauerhaft Wasser fließt oder Fische vorkommen. Auch Ufer, Gehölze, Böden, zeitweise wasserführende Abschnitte und angrenzende Auenflächen können Lebensräume und Verbindungselemente für unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten bilden.

Bei intensiven Niederschlägen bieten flachere Ufer und zusätzliche Entwicklungsflächen mehr Raum für Wasser. Dies kann dazu beitragen, Abflüsse zu verlangsamen und Wasser zeitweise in der Landschaft zurückzuhalten. Die konkrete Wirkung ist standortbezogen zu bewerten. Eine garantierte Schutzwirkung für einzelne Orte oder Gebäude lässt sich daraus nicht ableiten.

Was Gewässerrenaturierung leisten kann

Sie kann:

  • einem Gewässer mehr Entwicklungsraum geben,
  • Bachbett und Ufer vielfältiger strukturieren,
  • die Verbindung zwischen Gewässer und Aue stärken,
  • Voraussetzungen für unterschiedliche Lebensräume schaffen,
  • Retentions- und Pufferfunktionen unterstützen,
  • die Anpassung von Landschaftsräumen an Trockenphasen und intensive Niederschläge unterstützen.

Was sie nicht leisten kann

Sie kann nicht:

  • zusätzliches Wasser erzeugen,
  • eine ganzjährige Wasserführung garantieren,
  • Hochwasser vollständig verhindern,
  • eine konkrete Schutzwirkung ohne fachlichen Nachweis versprechen,
  • ökologische Wirkungen unmittelbar nach Abschluss der Bauarbeiten garantieren.

Planung und Umsetzung auf einer konkreten Fläche

Gewässerrenaturierung beginnt lange vor dem ersten sichtbaren Bauabschnitt. Flächenverfügbarkeit, Eigentumsverhältnisse, Genehmigungsanforderungen, fachliche Ziele und weitere Planungen im Landschaftsraum müssen miteinander abgestimmt werden.

Am Spieser Mühlenbach wurden Ufer abgeflacht, neue Gewässerschlingen angelegt und zusätzliche Strukturen im Bach- und Auenraum geschaffen. Damit wurden die Voraussetzungen für eine vielfältigere Entwicklung des Gewässerraums verbessert.

„Am Spieser Mühlenbach zeigen wir, was hochwertige Kompensation auf einer realen Fläche leisten kann. Durch flachere Ufer, neue Gewässerschlingen und den Rückbau von Wanderhindernissen haben wir die Strukturvielfalt im Bach und in der Talaue deutlich verbessert. Damit entstehen neue Lebensräume, und zugleich gewinnt das Spieser Mühlental als Landschafts- und Erholungsraum.“

Michael Boes, Standortleiter von Landschaftsagentur Plus in Friedrichsthal

Renaturierung als Bestandteil eines Ökokontos

Die Renaturierung des Spieser Mühlenbachs ist Bestandteil eines Ökokontos. In einem Ökokonto werden vorgezogene Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung fachlich bewertet und dokumentiert. Anerkannte Ökopunkte können später unter den jeweiligen fachlichen und behördlichen Voraussetzungen für geeignete Eingriffe verwendet werden.

Landschaftsagentur Plus entwickelt und betreut Ökokonten und Flächenpools langfristig. Dazu gehören:

  • die Suche und Sicherung geeigneter Flächen,
  • die fachliche Konzeption,
  • die Abstimmung mit Eigentümerinnen, Eigentümern und zuständigen Stellen,
  • die Umsetzung der Maßnahmen,
  • Pflege und langfristige Entwicklung,
  • Dokumentation und gegebenenfalls Monitoring.

Damit verbindet die Agentur ökologische Aufwertung mit frühzeitig vorbereiteten und langfristig gesicherten Kompensationslösungen.

„Der Spieser Mühlenbach zeigt, worum es uns auch in der Debatte um das Infrastruktur-Zukunftsgesetz geht: Beschleunigung und wirksamer Naturschutz sind kein Widerspruch, wenn reale Kompensation frühzeitig vorbereitet wird. Hier ist auf einer konkreten und dauerhaft gesicherten Fläche ein hochwertiger Lebensraum entstanden. Die daraus hervorgehenden Ökopunkte schaffen Planungssicherheit für Wohnbau- und Infrastrukturvorhaben. Genau solche Projekte zeigen, dass Realkompensation praktisch funktioniert und Entwicklung planbarer macht.“

Nicole Büsing, technische Geschäftsführerin von Landschaftsagentur Plus

Gewässerentwicklung braucht Zusammenarbeit

Das Projekt zeigt, dass erfolgreiche Gewässerrenaturierung unterschiedliche Aufgaben und Perspektiven zusammenführen muss:

  • Das Land ordnet die Maßnahme in Gewässerentwicklung und Klimafolgenanpassung ein.
  • Die Gemeinde verantwortet die örtliche Entwicklung und die Einbindung in den Landschaftsraum.
  • Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümer ermöglichen die langfristige Verfügbarkeit der benötigten Flächen.
  • Landschaftsagentur Plus übernimmt die fachliche Planung, Flächenentwicklung und Projektbegleitung.
  • Weitere Beteiligte unterstützen Bau, Abstimmung und langfristige Entwicklung.

Die gemeinsame Umsetzung schafft die Grundlage dafür, ökologische Ziele, kommunale Interessen und langfristiges Kompensationsmanagement miteinander zu verbinden.

Mit dem Ende der Bauarbeiten beginnt die ökologische Entwicklung

Eine Renaturierung ist nicht mit dem letzten Arbeitsschritt auf der Baustelle abgeschlossen. Bachbett, Ufer, Vegetation und angrenzende Flächen entwickeln sich über Jahre.

Zur langfristigen Begleitung können – entsprechend den jeweiligen Projektanforderungen – gehören:

  • Pflege und Unterhaltung,
  • Kontrolle des Maßnahmenzustands,
  • Beobachtung von Vegetation und Gewässerstrukturen,
  • Dokumentation der Entwicklung,
  • fachliches Monitoring,
  • Anpassung einzelner Maßnahmen, wenn die Projektziele dies erfordern.

Die weitere Entwicklung ist deshalb ebenso Teil eines Renaturierungsprojekts wie Planung und bauliche Umsetzung.

Medienresonanz: Der Saarländische Rundfunk berichtet

Der Saarländische Rundfunk hat die Renaturierung des Spieser Mühlenbachs vor Ort begleitet. Der Beitrag zeigt den neu gestalteten Bachabschnitt und erläutert Hintergründe zur Gewässerentwicklung, zum Projektverlauf und zum Ökokonto.
Beitrag des Saarländischen Rundfunks ansehen

Häufige Fragen zur Renaturierung des Spieser Mühlenbachs

Warum führte der Bach beim Abschlusstermin wenig Wasser?

Der Spieser Mühlenbach führt nicht ganzjährig Wasser. Die Wasserführung kleiner Bäche hängt unter anderem von Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasser, Quellen, Zuflüssen, Bodenverhältnissen und dem Einzugsgebiet ab.

Warum wird ein zeitweise trockenfallender Bach renaturiert?

Die Renaturierung zielt nicht darauf, eine dauerhafte Wasserführung herzustellen. Sie entwickelt den gesamten Gewässerraum aus Bachbett, Ufer, Vegetation, Boden und angrenzender Aue naturnäher.

Erzeugt die Renaturierung zusätzliches Wasser?

Nein. Eine Renaturierung erzeugt kein Wasser. Sie schafft mehr Raum und vielfältigere Strukturen, damit sich Gewässer und angrenzende Flächen unter den jeweiligen Standortbedingungen entwickeln können.

Ist das Projekt eine Hochwasserschutzmaßnahme?

Zusätzliche Entwicklungs- und Überflutungsflächen können dazu beitragen, Abflüsse bei intensiven Niederschlägen zu verlangsamen und Wasser zeitweise zurückzuhalten. Eine konkrete Schutzwirkung für einzelne Orte oder Gebäude müsste gesondert fachlich beziehungsweise hydraulisch nachgewiesen werden.

Warum ist der Bach auch ohne dauerhafte Fischvorkommen ökologisch relevant?

Der ökologische Wert eines Gewässerraums hängt nicht allein von Fischen ab. Ufer, Gehölze, Böden, zeitweise wasserführende Abschnitte und Auen können Lebensräume und Verbindungselemente für unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten bilden.

Was ist ein Ökokonto?

Ein Ökokonto erfasst vorgezogene ökologische Aufwertungsmaßnahmen. Diese werden nach den geltenden fachlichen Vorgaben bewertet und dokumentiert. Anerkannte Ökopunkte können später unter behördlicher Beteiligung für geeignete Eingriffe angerechnet werden.

Welche Rolle übernimmt Landschaftsagentur Plus?

Landschaftsagentur Plus begleitet Gewässer- und Kompensationsprojekte von der Flächensuche und Flächensicherung über Konzeption, Planung und Umsetzung bis zur langfristigen Betreuung, Dokumentation und gegebenenfalls zum Monitoring.

Sie planen eine Gewässerrenaturierung, benötigen geeignete Flächen oder suchen eine langfristig gesicherte Kompensationslösung?

Sprechen Sie mit dem Team von Landschaftsagentur Plus über Flächen, fachliche Anforderungen und mögliche Umsetzungsschritte.

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