Renaturierung des Fischbachs geht weiter

Ensdorf, 29.08.2019

Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes, und Lutz Maurer, Bürgermeister der Gemeinde Quierschied, pflanzten heute eine Winterlinde anlässlich der Fertigstellung der ersten Teilabschnitte der Renaturierung des Fischbachs. Nachdem der Fischbach 2014/2015 bereits im Bereich der Waldparkanlage über  500 Meter aus seinem straffen Bett befreit und drei Flutmulden in Höhe der Parkanlage Netzbach angebaut wurden, führt die Landschaftsagentur Plus GmbH die Renaturierung des Bachs nun weiter.

„Der zweite Bauabschnitt besteht aus sechs Teilbereichen“, informierte Martin Strauß, Geschäftsführer der Landschaftsagentur Plus, die anwesenden Bürger und Gemeindevertreter. Die Renaturierung mit einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern beginnt „In der Humes“ und endet in der Rußhütter Straße. „Wir haben das Bachbett an dieser Stelle um einen halben Meter erhöht, so dass wir den neuen Bachlauf auf die daneben befindliche Wiese verlegen konnten. Dadurch dient nun das ursprüngliche Bachbett über eine Strecke von 90 Meter als Flutmulde bevor dann der neuangelegte Bachlauf wieder in sein ursprüngliches Bett zurückkehrt“, erläuterte Strauß. Eine weitere Flutmulde wurde an das neue Bachbett angebaut. Durch diese Maßnahmen ist der Fischbach in diesem Bereich um über 60 Meter verlängert worden und der Bach kann bei einem Hochwasserereignis zusätzlich entlastet werden. Allein in diesem ersten Bereich mussten rund 2.400 Kubikmeter Erdmassen entsorgt werden. „Das entspricht in etwa 170 LKW-Ladungen“, so Strauß.

„Wir sehen hier ein tolles Beispiel, wie durch die Renaturierung das Angebot an Lebensräumen für Flora und Fauna deutlich vergrößert und ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung unserer Biodiversitätsstrategie geleistet wird“, so Umweltminister Jost. Die Herstellung von Überschwemmungsflächen, wie hier die zusätzlichen Flutmulden, und auch die Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit durch das Anlegen von Schlingen und Verlängern des Bachlaufs diene zusätzlich der Hochwasservorsorge.

Der Fischbach habe in diesem Bereich ein völlig neues Erscheinungsbild bekommen, zeigte sich Bürgermeister Maurer beeindruckt. „Neben dem positiven Effekt für den Hochwasserschutz dürfte sich der neu gestaltete Bachbereich als Naherholungsoase etablieren.“ Da mache es Spaß, sich wieder am Bach aufzuhalten, so Maurer. „Die Investitionen die hier getätigt werden sind ein Gewinn für die Umwelt und die Menschen in der Gemeinde Quierschied.“

Die Arbeiten sind Teil der ökologischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Sanierung der Bergehalde Maybach, finanziert durch die RAG Aktiengesellschaft. An den Planungskosten der Renaturierung haben sich Land und Gemeinde finanziell beteiligt.

„Wie bei all unseren Maßnahmen versuchen wir die Kompensationsmaßnahmen dort vorzunehmen, wo die Eingriffe in Natur und Landschaft notwendig wurden“, bekräftigte Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien. „Manchmal muss auch noch in der Nachbarkommune etwas fertig gestellt werden. Wir wollen ein verlässlicher Partner sein und mit unserer Arbeit einen Mehrwert für Natur, Umwelt und die Menschen schaffen.“

„Noch drei Teilbereiche müssen bearbeitet werden und auch der zweite Bauabschnitt ist fertig gestellt“, erläuterte Sinem Agacik, Projektingenieurin der Landschaftsagentur Plus, die Arbeiten im Detail. Die Uferböschungen des Fischbachs wurden abgeflacht und etliche Schlingen angelegt. Es wurden Maßnahmen zur Schaffung von freien Flächen neben dem Gewässer umgesetzt, so genannte Retentionsflächen. Durch diese Maßnahmen wird bei Hochwasserereignissen der Fischbach entlastet und kann somit mehr Wasser aufnehmen. Das Wasser fließt langsamer wodurch sich eine Hochwasserwelle verzögert und damit abmildert.

Insgesamt 200 Bäume und 9.000 Quadratmeter Gehölzwuchs und Brombeergebüsch wurden für die Maßnahmen gerodet. Dafür werden 300 Heister (u.a. Feldahorn, Schwarzerle und Silberweide), 450 leichte Heister (u.a. Bruchweide, Korbweide und Hasel) und 800 Uferstauden und Gräser angepflanzt. Mit der Fertigstellung der Arbeiten wird bis Ende des Jahres gerechnet.