Homburg,

Nach mehrjähriger Planung und Umsetzung ist die 10,8 Kilometer lange Renaturierung des Erbachs in Homburg offiziell abgeschlossen. Auch die abschließende naturschutzrechtliche Abnahme war erfolgreich, womit die dreijährige Fertigstellungs- und Entwicklungspflege der Renaturierungsmaßnahme ein Ende fand.

Ökologische Ersatzmaßnahme für neue Ortsumgehungsstraße

Auftraggeber für die Erbachrenaturierung war der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) des Saarlandes, der uns als Generalübernehmer mit der Organisation, Planung und Umsetzung dieser Kompensationsmaßnahme betraute. Die vorlaufende Planung erfolgte im Auftrag der Kreisstadt Homburg, die im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie das Ziel verfolgt, ihre Fließgewässer in einen hochwertigen ökologischen Zustand zu überführen.

Die im Zusammenhang mit der Erbachrenaturierung geschaffenen Ökologischen Werteinheiten (ÖWE) und Artenschutzmaßnahmen (CEF) kann der LfS zukünftig für den geplanten Bau der Ortsumgehungsstraße B423 bei Schwarzenbach und Schwarzenacker verwenden. Dabei gleicht die Erbachrenaturierung den möglichen Neubau der B423 nicht nur im selben Naturraum aus, sondern kompensiert diesen sogar im selben Stadtgebiet. Neben dem LfS nutzt außerdem die Kreisstadt Homburg einen Teil der geschaffenen Ökopunkte für ihre Eingriffe in verschiedenen Bebauungsplanverfahren.

Ökologische Durchgängigkeit und verbesserter Hochwasserschutz

Vor der Renaturierung floss der Erbach seit den 70er Jahren durch ein künstlich angelegtes, betoniertes Bachbett und war so stark überwachsen, dass dieser kaum als Gewässer wahrgenommen werden konnte.

Um ihm sein natürliches Gewässerbett zurückzugeben, entfernten wir alle Betonhalbschalen, legten naturnahe Schlingen an und flachten die Uferböschungen ab. Zusätzlich verbreiterten wir Gewässerabschnitte und schafften neue Hochwasserrückhalteflächen. So konnte nicht nur die ökologische Durchgängigkeit, sondern auch der Hochwasserschutz deutlich verbessert werden.

Naherholungsgebiet und hochwertiger Lebensraum für Flora und Fauna

In Abstimmung mit den Anwohnern wurden rund 2350 Heister und 230 Hochstämme gepflanzt, und mehrere Totholzhaufen als Unterschlupf für verschiedene Tierarten angelegt. Von den neugeschaffenen Lebensraumstrukturen profitieren insbesondere Insekten, Säugetiere und Vögel wie z.B. der Neuntöter.

Die Ausführung der Rodungs-, Erd-, Pflanz- und Saatarbeiten sowie die dreijährige Fertigstellungs- und Entwicklungspflege erfolgte durch die Floratec GmbH & Co. KG.

Gemeinsam konnte so ein attraktives Naturschutzprojekt mit multifunktionalem Mehrwert für Natur und Mensch mitten in Homburg geschaffen werden.

Autor: Julian Kiszka