Der Ausbau von Energie- und Verkehrsinfrastruktur erhöht den Druck auf die Landschaft. Flächenagenturen können hier ein wichtiges Bindeglied zwischen Vorhabenträgern, Behörden und Naturschutz sein – mit erprobten Strukturen, die bundesweit zur Verfügung stehen. Nicole Büsing, Geschäftsführerin der Landschaftsagentur Plus (LA+) und Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Flächenagenturen in Deutschland (BFAD e. V.), bringt diese Perspektive aktiv in den Dialog mit Politik und Praxis ein.
Infrastruktur braucht Fläche – und professionelle Strukturen
Energie, Verkehr, Siedlung, Landwirtschaft, Wasser und Naturschutz: Alle Sektoren benötigen Fläche – und große Infrastrukturvorhaben werden den Bedarf weiter steigern. Gleichzeitig stoßen Planungs- und Genehmigungsverfahren zunehmend an Grenzen. Oft liegt das weniger an „fehlenden Flächen“, sondern an fehlender vorausschauender Bedarfsermittlung, rechtzeitiger Flächensicherung und strategischer Steuerung.
Die Landschaftsagentur Plus arbeitet gemeinsam mit Partnern seit 2023 in einer kontinuierlichen Expertenrunde daran, praxisnahe Lösungsansätze für Beschleunigung und Qualitätssicherung in der Kompensationspraxis zu entwickeln. Ein Baustein dieses Dialogs ist ein parlamentarisches Frühstück in Berlin, bei dem Nicole Büsing gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Bundesministerien, Bundestagsfraktionen, Verbänden und Praxisakteuren intensiv über Handlungsmöglichkeiten diskutiert hat.
Flächenagenturen – eine bundesweit verfügbare Infrastruktur
Rund 50 professionelle Flächenagenturen sind heute in Deutschland aktiv – öffentlich, privat oder gemeinnützig organisiert. Sie arbeiten nach einheitlichen Qualitätsstandards, verfügen über qualifiziertes Fachpersonal mit naturschutzfachlicher, technischer und rechtlicher Expertise und sind regional gut vernetzt.
Flächenagenturen erschließen und sichern Flächen, entwickeln naturschutzfachlich wirksame Projekte, übernehmen Planung, Umsetzung und langfristige Betreuung von Maßnahmen und können nach Landesrecht teilweise Kompensationspflichten mit befreiender Wirkung übernehmen. So entsteht eine „unsichtbare Infrastruktur“ für Kompensationsleistungen, die in vielen Bundesländern bereits erfolgreich arbeitet.
„Es ist uns wichtig zu zeigen, dass die Flächenagenturen bereits deutschlandweit tätig sind und einen wichtigen Erfahrungsschatz haben. Sie verfügen über Strukturen, die nicht erst aufgebaut werden müssen. Dieser Hebel ist wichtig für die Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben und die von uns gewährleistete naturschutzrechtliche Kompensation von Eingriffen in die Natur.“
– Nicole Büsing, Geschäftsführerin der Landschaftsagentur Plus (LA+) und Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Flächenagenturen in Deutschland (BFAD e. V.)
Praxisbeispiel Saarland: Gewässerrenaturierung im großen Maßstab
Wie diese Strukturen in der Praxis wirken können, zeigt die Arbeit der Landschaftsagentur Plus im Saarland: Dort summiert sich die von der Agentur renaturierte Gewässerlänge im Rahmen von Kompensationsleistungen inzwischen auf rund 60 Kilometer.
Solche Projekte verbinden die naturschutzrechtliche Kompensation von Eingriffen mit weiteren Zielen – etwa der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, dem Biotopverbund oder Beiträgen zum natürlichen Klimaschutz. Sie entstehen nicht zufällig, sondern auf Basis strategisch gesicherter Flächenpools und eines abgestimmten Vorgehens mit Behörden, Kommunen sowie Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümern.
Dialog mit Politik und Verbänden
Beim parlamentarischen Frühstück in Berlin standen genau diese Fragen im Mittelpunkt: Wie können bestehende Strukturen gestärkt werden, damit Natur- und Landschaftsschutz, Ausbau der Infrastruktur und berechtigte Interessen von Flächeneigentümer:innen besser zusammengebracht werden?
Nicole Büsing brachte hier die Perspektive der Flächenagenturen ein – nicht als Einzelstimme, sondern als Multiplikatorin für die im BFAD organisierten Agenturen. Aus dem Team der Landschaftsagentur Plus war zudem Rudolf Krumm in Berlin dabei. Gemeinsam mit Klaus Müller-Pfannenstiel, der in der Expertenrunde maßgeblich an der fachlichen Ausarbeitung mitarbeitet, brachten sie zusätzliche praktische Impulse in die Diskussion ein.
Wichtig ist dabei der konstruktive Austausch: mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundesministerien, Bundestagsfraktionen, Naturschutz- und Fachverbänden sowie Vorhabenträgern. Die gemeinsame Perspektive: Naturverträgliche Infrastruktur braucht gut vorbereitete Flächen, transparente Verfahren und verlässliche Strukturen für die Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen.
Gemeinsam Flächenmanagement weiterentwickeln
Flächenagenturen haben sich als verlässliche, leistungsfähige und umsetzungsstarke Naturschutzstrukturen bewährt. Sie können Verfahren planbarer machen, zur gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen und helfen, Ziele aus Klimaschutz, Biodiversität und Infrastrukturentwicklung besser zu verbinden.
Damit dieser Beitrag voll wirksam werden kann, braucht es Rahmenbedingungen, die eine frühzeitige Einbindung und verlässliche Beauftragung dieser Fachstrukturen ermöglichen. An diesen Fragen arbeitet die Landschaftsagentur Plus gemeinsam mit dem Bundesverband der Flächenagenturen in Deutschland und vielen Partnern weiter.
Über weitere Projekte und Impulse berichten wir auch auf unserem Social-Media-Kanal LinkedIn .
