Der erste Abschnitt der ökologischen Aufwertung des Kollekturwaldes in Mannheim ist seit Ende letzten Jahres erfolgreich abgeschlossen. Weitere Maßnahmen folgen im Spätherbst 2022.
Der ökologische Waldaufwertung wurde deshalb notwendig, weil der Kollekturwald mit seinen ausgedehnten Kieferbeständen aufgrund der klimatischen Veränderungen durch Trockenheit und Pilzbefall großflächig abgängig ist. Gleichzeitig begünstigen die langen Trockenphasen ein invasives Wachstum fremdländischer Arten (Neophyten) wodurch heimische Baum- und Straucharten so stark verdrängt werden, dass eine Verbesserung des Zustands auf natürlichem Weg nicht absehbar ist.
Aufgrund der Größe wird die gesamte Waldaufwertung rund acht Jahre beanspruchen. Danach soll sich der Kollekturwald wieder eigenständig zu einem standortgerechten, klimastabilen sowie struktur- und artenreichen Laubmischwald weiterentwickeln. Diese Entwicklung ist sehr bedeutend für den Erhalt der regionalen Artenvielfalt, für die Filterfunktion des Bodens sowie für die Kohlenstoffspeicherung.
Erster Schritt: Entnahme invasiv wachsender Neophyten
Von Anfang Oktober bis Mitte Dezember 2021 wurde zunächst gezielt die Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) sowie weitere invasiv wachsende Neophyten (wie z.B. der Götterbaum [Ailanthus altissima]) aus dem Zwischen- und Unterstand entnommen.
Einige der abgestorbenen Bäume verbleiben als Totholz im Wald. Diese Habitatbäume oder Totholzhaufen dienen verschiedenen Tierarten als Nist- und Unterschlupfmöglichkeit. Wertvolle Altbäume, heimische Baumarten und ökologisch hochwertige Strukturen bleiben ebenfalls erhalten.
Zweiter Schritt: Pflanzung von rund 16.000 heimischen Baumarten
Die Flächen werden unmittelbar nach der Rodung mit heimischen Baum- und Straucharten bepflanzt. Dazu zählen vor allem die Hauptbaumarten Traubeneiche (Quercus petraea), Hainbuche (Carpinus betulus), Winterlinde (Tilia cordata) und Sommerlinde (Tilia platyphyllos), aber auch verschiedene Begleitbaumarten wie z.B. die Elsbeere (Sorbus torminalis) oder die Sandbirke (Betula pendula).
Mit Rücksicht auf die Naherholungsfunktion und die Vermeidung von Störungen auf wildlebende Tiere in der Brut- und Aufzuchtzeit ruhen unsere Maßnahmen nun erst einmal bis zum Herbst. Ab September 2022 ist dann ein weiterer Abschnitt geplant.
Ökologische Waldaufwertung fördert Klimaschutz und Biodiversität
Um einen strukturreichen und klimastabilen Wald zu schaffen, wird der Kollekturwald über einen Zeitraum von acht Jahren in mehreren Schritten ökologisch aufgewertet. Jährlich werden durchschnittlich 12 Hektar bearbeitet. Zu den konkreten Maßnahmen gehören die behutsame Entnahme invasiver Neophyten sowie abgestorbener Bäumen und die Wiederbepflanzung mit heimischen Baumarten. Darüber hinaus werden Waldmäntel, Habitatbäume, Sandrasenflächen und Tümpel angelegt, um sowohl vorhandenen Lebensräume z.B. der Zaun- (Lacerta agilis) und Mauereidechse (Podarcis muralis) zu stabilisieren als auch neue Lebensräume z.B. für die Kreuzkröte (Bufo calamita) zu schaffen.
Über den Kollekturwald und die Evangelische Stiftung Pflege Schönau
Der Kollekturwald liegt im Nordwesten von Baden-Württemberg an der Grenze zu Hessen und ist Teil des Käfertaler Waldes. Das Gebiet zählt zu einer der niederschlagärmsten und gleichzeitig wärmsten Regionen Deutschlands. Im Süden schließt die Fläche an den Mannheimer Stadtteil Gartenstadt an und wird im Westen durch die dort verlaufende Bahnstrecke Mannheim – Frankfurt (Riedbahn) sowie den Mannheimer Stadtteil Schönau begrenzt.
Eigentümerin des Kollekturwaldes ist die Evangelische Stiftung Pflege Schönau aus Heidelberg. Als Unternehmen der Evangelischen Landeskirche in Baden liegen ihr die Bewahrung der Schöpfung und der Erhalt des Ökosystems Wald sehr am Herzen. Die 7.600 Hektar Wald der Stiftung sind bereits seit über 20 Jahren nach PEFC zertifiziert.



