Heute ist der Tag des deutschen Apfels – Anlass genug, um der Super-Frucht auch aus Sicht des Landschafts- und Naturschutzes die Aufmerksamkeit zu schenken, die Ihr zusteht.
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Kulturlandschaften in Deutschland und sind wahrhafte Hotspots der Biodiversität. Zahlreichen Insekten, Säugern und Vögeln dienen sie als wichtige Nahrungsquelle, und bieten Tieren und Pflanzen wertvollen Lebensraum. Im Rahmen unserer Kompensationsleistungen legen wir regelmäßig neue Streuobstwiesen (wie in Marl, NRW / 1. Foto) an oder ergänzen und sichern abgängige Streuobstbestände. Dabei liegt uns auch der Erhalt der regionalen Sortenvielfalt am Herzen, denn die Bewahrung der genetischen Vielfalt ist eine wichtige Grundlage für die Stabilität von Ökosystemen.
Trotz Rückgang der Sortenvielfalt: ca. 1600 bis 2000 verschiedene deutsche Apfelsorten
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland immer noch zwischen 1.600 und 2.000 verschiedene Apfelsorten – und dass, obwohl die Sortenvielfalt aufgrund unterschiedlicher Faktoren im Laufe des vergangenen Jahrhunderts rückläufig war.
Die wirklich seltenen und (fast) vergessene regionale Sorten sind i.d.R. nicht über Baumschulen verfügbar. So bedarf es häufig intensiverer Recherche, um den ein oder anderen Sortenschatz ausfindig zu machen. Dazu gehören z.B. der Westfälische Gülderling (Noblesse) (2. Foto) oder der Nordkirchener Kernapfel (3. Foto).
Westfälischer Gülderling (Noblesse)
Der Westfälische Gülderling mag manch waschechtem Westfalen noch ein Begriff sein. Diese regionale Sorte stand früher in der Region rund um unseren Agenturstandort Datteln an fast jedem Bauernhaus, da die Bäume einen hohen Ertrag lieferten und die Äpfel bis weit in das nächste Jahr eingelagert werden konnten. Um den Westfälischen Gülderling auch in den Adelshäusern zu etablieren, wurde er dort ganz vornehm als „Noblesse“ angepriesen.
Nordkirchener Kernapfel
Der Nordkirchener Kernapfel ist ein Beispiel für den immer wieder auftretenden und doch seltenen Fall, dass eine alte, unbekannte, lokale Obstsorte mit Namen überliefert ist und schließlich „wiederentdeckt“ wird. Dies gelang Stephan Grote von der NABU Naturschutzstation Münsterland, als er 2009 auf einer alten Obstwiese in Seppenrade einem Apfelbaum eine Fruchtprobe entnahm, der auf einem alten Pflanzplan als „Nordkirchener Kernapfel“ bezeichnet wurde. Da die Probe auch nach einer Überprüfung durch verschiedene Pomologen keiner bekannten Apfelsorte zugeordnet werden konnte, ist davon auszugehen, dass der Nordkirchener Kernapfel bis dato noch nicht in der Fachliteratur beschrieben wurde.
Apfelsorten warten darauf, wiederentdeckt zu werden
Vermutlich schlummern in Westfalen und vielen weiteren Regionen noch Sorten, die darauf warten, wiederentdeckt zu werden, bevor Sie endgültig aus unserer Landschaft verschwinden. Daher gilt ein besonderer Dank all denen, die sich mit detektivischem Spürsinn an die Sortensicherung machen.
An dieser Stelle gilt unser herzlicher Dank Norbert Menke und Stephan Grote von der NABU Naturschutzstation Münsterland, die die Informationen und Fotos zu den Sorten bereitstellten.
Wir freuen uns auf jede Neuentdeckung und auf die Möglichkeit damit einen Beitrag zum Erhalt unserer Biologischen Vielfalt in unseren Kompensationsprojekten zu leisten.


