Datteln,

Von Ende 2015 bis Mitte 2019 renaturierten wir gemeinsam mit dem Lippeverband weite Teile der Dattelner Lippeaue.  Auf gut 117 Hektar entstand so eines der größten interkommunalen Ökokonten: die „Lippeaue“.  Das Arteninventar hat sich seither vervielfacht und viele seltene Arten sind wieder heimisch geworden.

Während wir im Zuge unserer öffentlichen Berichterstattung bislang primär den Fokus auf Säugetiere, Amphibien und Vögel gerichtet haben, berichten wir am heutigen Tag der Fische, was der Landesfischereiverband bei seiner Untersuchung in der renaturierten Lippe so alles entdeckt hat.

Fischbestimmung mittels artenfreundlicher Elektrofischerei

Dass uns zu den Fischarten vor der Haustür unseres Agenturstandortes NRW umfassende Informationen vorliegen, haben wir nicht zuletzt der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V. (ABU Soest) zu verdanken. Bereits seit 2017 führt die ABU Soest im Auftrag des Landesfischereiverbandes wissenschaftliche Befischungen der „Klippen“ auf Höhe des ehemaligen Schleusenwärterhauses in der Lippe durch.

Auf der 200 Meter langen Probestrecke, welche Felsen und Kiesbänke umfasst, fischten die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der ABU Soest, Dr. Margret Bunzel-Drüke, Matthias Scharf und Olaf Zimball sowohl von einem Boot mit Gleichstromgerät als auch watend mit tragbaren Impulsstromgeräten. Bei dieser Methode werden die in der Nähe schwimmenden Fische lediglich kurzzeitig betäubt und können so absolut schonend „gefangen“, bestimmt und anschließend wieder ausgesetzt werden.

Renaturierte Lippe schützenswerter Laichplatz bedrohter Arten

Bei der vergangenen Befischung im Oktober 2021 konnten unter anderem einige junge Barbe, Hasel und Nase (bedrohte Art) Exemplare bestimmt werden. Diese erfreulichen Befunde sind starke Hinweise dafür, dass diese Arten ihren Laichplatz auf der dortigen Kiesbank haben. Da solche Habitate an der Lippe äußerst selten sind, sind diese unbedingt zu schützen. Durch den Ökokonto- und NSG-Status des Gebiets wird versucht dies zu gewährleisten.

Eine weitere Art, die vermutlich ebenfalls unterhalb der Klippen ablaicht und dessen Bestand von der ABU Soest als „gut“ eingestuft wurde, ist der anpassungsfähige Döbel. Der besondere Höhepunkt der Befischung war jedoch der Fund einer Quappe, die in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ steht. Das Exemplar ist höchstwahrscheinlich das positive Ergebnis des Wiederansiedlungsprojekt des Landesfischereiverbandes, welches 2009 initiiert wurde.

17 verschiedene Fischarten auf 200 Metern

Zu weiteren durch die ABU bestimmten Arten gehören unter anderem Aal, Barsch, Gründling, Rotauge, Schmerle oder Ukelei. Der Bestand der invasiven Marmorgrundel und Schwarzmaulgrundel ist im Vergleich zu den beiden vorherigen Befischungen zurückgegangen. Ob dieser positive Trend anhält, werden die zukünftigen Befischungen zeigen.

50 Kilometer renaturierte Flussabschnitte in Deutschland und Luxemburg

Bis heute haben wir als Landschaftsagentur Plus rund 50 Kilometer Wasserläufe und ihre Auen renaturiert. Naturnahe Gewässersysteme sind wichtige Lebensadern, die aufgrund ihrer spezifischen Ausprägung und ihren linearen Strukturen eine herausragende Stellung für den Biotopverbund haben. Seit vielen Jahren setzen wir uns für die vermehrte Integration von Flussrenaturierungen im Rahmen von Kompensationskonzepten ein. Von der multifunktionalen Wirkung solcher Maßnahmen profitiert neben der Ökologie vor allem auch der Hochwasserschutz.

Über den Tag der Fische und den Fisch des Jahres

Der Tag der Fische findet weltweit jährlich am 22. August statt und soll vor allem auf den Artenschutz bedrohter Fische aufmerksam machen. Der diesjährige vom Deutschen Angelfischverband ernannte Fisch des Jahres ist der Hering. Diesen wird man aufgrund seiner Vorliebe für Salzwasser in der Lippe jedoch vergeblich suchen.

Autor: Julian Kiszka